10 000 Leute Festival Tag 2

  • 05.Sept.
  • Einlass: 15:00
  • Beginn: 16:00
  • Eintritt: ab 12 €
  • 10.000 Leute Festival

    Irgendein Genie des Internets hat sich vor einigen Jahren die Mühe gemacht, wirklich alle verfügbaren Live-Sets des Berliner Techno-DJs Sven Väth durchzuhören, um die besten Live-Ansagen auf einem Sampleboard zu verewigen – das Ergebnis dieser Recherche findet man unter svenpanel.de.

    Seit Tag 1 läuft diese Sammlung nun immer wieder bei uns im Tourbus, weil da so geniale Ansagen bei sind wie z. B. „Ey, ey, ey, gude Laune“ oder „The Message is Feierei, Alter!“. Nicht ganz so populär, aber deshalb nicht weniger geil, ist der Ausruf „10.000 Leute!“ (sehr schrill geschrien). Wir fanden, dass das ein perfekter Name für ein Festival ist. Ja, richtig – ein Festival.

    Anfang September erscheint ja unser erstes Album „Heulen am Wasser“ – kurz „HAW“ – bei Grand Hotel van Cleef – kurz „GHvC“. Das Album haben wir komplett in Eigenregie aufgenommen und auch größtenteils selbst produziert. Insofern ist das schon eine ziemlich große Sache für uns!

    In den letzten Monaten haben wir locker mehr als 10.000 Leute in Hamburg kennengelernt, die entweder selbst in extrem coolen Bands spielen oder irgendwelche anderen spannenden bis absurden Projekte haben. Die haben wir jetzt alle eingeladen, um am 04. und 05.09.2026 – also zwei Tage am Stück – im Indra auf St.Pauli unseren Release zu feiern. Bands, die zwar musikalisch total unterschiedlich sind, die aber irgendwie etwas sehr Ähnliches antreibt – und die deshalb ständig auf den Konzerten der jeweils anderen rumhängen.

    An diesen Abenden wird es aber nicht bloß megageile Bands geben, sondern auch Performances, Lesungen und weiß der Geier, was noch alles. Das genaue Line-up und den Timetable werden wir in den kommenden Wochen bekannt geben.

    Und wir spielen natürlich auch.

    Mit TALKIN' SECRET haben wir eines unserer ersten Konzerte überhaupt gespielt. Die Band war damals schon vor uns beim Venue, und ich war mir wirklich absolut sicher, dass es sich um Briten handeln muss – also einfach rein optisch. Sänger und Schlagzeuger sind Zwillinge und sehen einfach aus wie eine Mischung aus den Oasis-Brüdern und dem Sänger der Stone Roses. Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass ich die Band auf Englisch angesprochen habe. Dann war allerdings schnell klar, dass die Band aus Hamburg-Bergedorf kommt (auch cool) – aber tatsächlich schon in England auf Tour war. Inzwischen sind TALKIN' SECRET einfach richtig gute Freund*innen geworden. Musikalisch liegt das irgendwo zwischen den Chameleons, High-Vis und Oasis.

    SLO & TABBI (UGLYMOBB) sind noch Freund*innen aus der Schulzeit von Lenny. Als sie sich das erste Mal gesehen haben, hat SLO ihm betrunken auf einem Bolzplatz in Hamburg-Nord irgendwas von irgendwelchen Rapszenen in Detroit erzählt und Lenny hat absolut nichts gepeilt. Ungefähr genauso ist es heute immer noch.

    Musikalisch gehen SLO & TABBI auf jeden Fall nochmal in eine ganz andere Richtung. Wenn SLO einen Beat baut, denkt man, er spielt gerade eine Runde kompetitives CS, so schnell fliegen seine Finger über die Tastatur. Und dann knallen sie einfach geile Texte drüber, die Wortakrobatik, Rappersein und miese Emotionen ziemlich gut miteinander vereinen. UGLYMOBB machen Trap-Musik. Keine Band hat sich außerdem so oft darüber beschwert, wie kurz ihr Slot ist. Wir können das verstehen: Ihr letztes Set war fast zwei Stunden lang und die doppelseitig bedruckte Setlist hängt heute noch an Lennys Tür.

    Bei diesem frühen Konzert haben damals auch EATME mitgespielt, die wir zu dem Zeitpunkt noch gar nicht kannten. Inzwischen sind EATME richtig gute Freund*innen und machen musikalisch etwas völlig anderes. Es ist doch total spannend, dass 90s-Midwest-Emo-Bands wie American Football gerade wiederentdeckt werden, aber eben nicht einfach kopiert, sondern mit einer völlig anderen Ästhetik gemischt werden – bei EAT ME zum Beispiel mit Einflüssen von Caroline Polachek und süßestem Hyperpop. Eine Mischung, die in den 1990ern wahrscheinlich völlig undenkbar gewesen wäre. Außerdem haben EATME an dem Abend ein fantastisches Cover von „Fireflies“ von Owl City gespielt. Bald erscheint endlich die neue EP und wir lieben, dass die Band einen großen Teil der Gesänge bei uns im Studio aufgenommen hat.

    ACHTUNG! haben wir zusammen mit Talkin Secret im Hafenbahnhof gesehen und das Konzert hat uns – Pola & Peter of Schluma Fame – komplett umgehauen. Die Band ist total jung und trotzdem schon so bizarr gut. Denken muss man dabei sicher an Bilderbuch, Radiohead und noch irgendwas, worauf ich gerade einfach nicht komme. Mal super vertrackt, aber nie verdudelt, dann wieder ganz einfacher Pop mit total cuten Texten. Außerdem hat der Schlagzeuger beim Spielen die ganze Zeit so lustig geguckt.

    LOUIS OTTLEY haben wir im Zuge der Krach & Getöse-Preisverleihung kennengelernt und konnten kaum glauben, dass sowas Geiles in Hamburg-Ottensen entstehen kann (haha!). Louis Ottley hat im Jahr davor selbst den Krach & Getöse-Preis gewonnen. Musikalisch lässt sich das am ehesten als geil abgehangener und trotzdem hochenergetischer UK-Punk beschreiben, mit Referenzen zu The Streets, frühem Jamie T. und Fontaines D.C. oder nochmal ganz anders in eigenen Worten: „Für Louis Ottley ist Punk kein Stil, sondern ein offener Raum, bewusst inklusiv, politisch, getragen von BIPoC- und queeren Perspektiven.“ Peter hat bestimmt zwei Tage lang nach der Mailadresse von LOUIS OTTLEY gesucht, nur um dann von Lenny darauf hingewiesen zu werden, dass er ja mal in deren Insta-Bio gucken könnte.

    BLEACH TV haben ungefähr zur selben Zeit wie wir ihre erste Single veröffentlicht und wir waren sofort verliebt. Was die Band so stark macht, ist vor allem ihre ästhetische Konsequenz. Man merkt sofort, dass sie sich sowohl klanglich als auch visuell ein klares Konzept überlegt haben – und das auch kompromisslos durchziehen. Das geht bei BLEACH TV total auf, weil dadurch ein unglaublich stimmiges Gesamtbild entsteht, musikalisch irgendwo zwischen Joy Division, frühen Factory-Records-Bands oder auch neueren Sachen wie Beach Fossils oder Fontaines DC. Außerdem studieren Leute von BLEACH TV mit unserem Schlagzeuger Linus, was auch schon wieder so ein lustiger Zufall ist.

    MERL kommt ebenfalls aus unserem Studiengang, sogar aus demselben Semester. Der Auftritt auf dem 10.000-Leute-Festival wird trotzdem sein allererstes Konzert überhaupt sein. Wir gehen deshalb fest davon aus, dass er extrem nervös sein wird. Seine Musik produziert MERL gemeinsam mit unserem Schlagzeuger Linus und die bewegt sich irgendwo zwischen Mehnersmoos, K.I.Z und frühen Fantastischen Vier – was er vermutlich sofort abstreiten wird. Textlich geht es dementsprechend viel um Saufen, Verschwörungstheorien (Taubendrohnen) und Sozialismus.

    ZITTERN haben wir ebenfalls in unserem Studiengang kennengelernt, was ziemlich witzig ist, weil hinter ZITTERN ein Musiker steckt, der schon zig Millionen Konzerte gespielt und Platten aufgenommen hat – allerdings unter dem Namen Joe Astray. Auf dem Festival wird er seinen ersten Auftritt (!!) als ZITTERN haben und musikalisch wird es noch einmal in eine ganz andere Richtung gehen. So richtig viel Musik haben wir bisher noch nicht gehört, aber wir erwarten eine Mischung aus sphärischem Kraftwerk und NDW-Punk der späten 1980er oder so. Wer sich darunter kaum etwas vorstellen kann, sollte unbedingt vorbeischauen.

    Über die Zusage von STATION 17 freuen wir uns auch deshalb so sehr, weil hier nochmal ganz andere Freundeskreise zusammenlaufen. Peter hat früher selbst bei STATION 17 gespielt und sagt bis heute, dass das „die beste Zeit und der beste Job seines Lebens war – inklusive seines aktuellen Jobs“. STATION 17 gibt es mittlerweile seit über 30 Jahren und in dieser Zeit hat das Projekt wahrscheinlich so ziemlich jeden Musikstil ausprobiert, den es gibt: von destruktivem Schlager bis hin zu analogem Kraut-Techno mit dem zwingend dazugehörigen Hippie-Mindset. Inzwischen spielt die Band, die im inklusiven Künstler*innen-Netzwerk barner 16 zu Hause ist, einen slick produzierten Mix aus Soft Rock, Jazz Pop und Westcoast-Sound – Steely-Dan-Fans dürfen jetzt wach werden. Besonders spannend ist dabei, dass die Texte diese musikalische Ästhetik bewusst brechen: Statt einer schöngeistigen Westcoast-Ästhetik geht es darin um die ganz konkreten, oft isolierten Lebenswelten von Menschen mit Beeinträchtigung. Außerdem hat die Band ein SCHLUMA Cover von Starstruck angekündigt. Wie geil.

    (LIEBALING) ist wahrscheinlich die neueste Band Europas und eine weitere, die ihr Debüt bei uns geben wird. Bestehen tut sie unter anderem aus Popel. Popel hat bisher jedes Bandfoto von uns geschossen und mit (gefühlt) fast jeder anderen Band auf dem Festival auch schon ein Shooting gehabt. Außerdem hat uns Popel damals die Kontakte zu EatMe, Talkin' Secret und dem Indra gesteckt. Also eigentlich alles auf Popels Mist gewachsen. Die Band entstand aus einem Theaterkontext und formte sich in einer kleinen Werkstatt in Hamburg-Nord. Auch (LIEBALING) besteht aus Menschen mit ganz viel Banderfahrung und welchen, die im September das erste Mal auf der Bühne stehen werden. Frido will Jazz machen, Cosmo Punk und Popel zwingt alle dazu, Pop zu spielen. Aber das dann eben richtig gut. Es wird wahrscheinlich irgendwie nach „Blümchen und Wir Sind Helden trinken am Wochenende in einer verrauchten Kneipe Bier“ klingen.

    DEER ANNA war ein Non-Negotiable für dieses Festival. Mit ihrem Indie-Folk-Sound schafft sie es, melancholische Bilder zu zeichnen, in denen man sich trotzdem irgendwie komisch wohlfühlen kann. Es ist mehr als hübsch und erinnert vielleicht an sowas wie Phoebe Bridgers oder Sufjan Stevens. Seit 2021 prägt DEER ANNA mit regelmäßigen Veröffentlichungen und Konzerten die Hamburger Musikszene mit. Bei diesem Festival werden Bands spielen, die uns vorher erzählt haben, dass DEER ANNA ihre Musik wirklich geprägt hat. Das ist ein absoluter Full-Circle-Moment und gleichzeitig viel zu kitschig und viel zu schön.

    Es ist nun mal so, auch wenn Lenny es dieses Jahr schon nervig oft gesagt hat: Die Hamburger Musikszene ist eine einzige Sippe.

    Zu DEER ANNA gibt es für uns auffällig viele Verwebungen, auch wenn sie musikalisch eigentlich ganz woanders existiert. Einmal haben wir ihren Drummer geklaut, Hannes Wolf (Produzent) kennen wir nur über sie, unsere Songs werden von derselben Person gemastert und möglicherweise sind Lenny und Anna Geschwister. Alles eine Sippe eben.

    FALLING MOOSE haben den Stress, ein Festival zu organisieren, selbst schon ein paar Mal durch und zwar in Form des MOOSIC FESTIVALS. Dort haben sie jetzt schon ein paar Jahre hintereinander merkwürdig viele verschiedene Szenen zusammengebracht und es hat verdammt gut geklappt. Letztes Jahr durften wir auch dort spielen und haben im Zuge dessen FALLING MOOSE als Band kennengelernt und wenn die wirklich bei jeder Band ganz vorne stehen, abgehen und am Ende, bei ihrem eigenen Set, ein Becken vom Sänger durch die Crowd tragen, Schweiß von der Decke tropft und man dabei vergisst, dass man eigentlich in einem Studi-Heim steht, dann muss man diese Band auch auf sein eigenes Festival einladen.

    Das Rocktrio bedient sich musikalisch an allem, was ihnen an lauter, psychedelischer, komplizierter oder ganz stumpfer Gitarrenmusik gefällt, krempelt es einmal um und macht daraus etwas ganz Eigenes. Das klappt dann so gut, dass FALLING MOOSE, unseres Wissens nach, die einzige Band mit einem Graffiti-Memorial in Hamburg sind.

    Ja, in diesem Studi-Heim. Ja, die ganze Wand. Muss man gesehen haben.

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